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Die Geschichte des FC Großen Buseck

von 1926 - 2001

Es war ein lauer Frühsommerabend des Jahres 1926. Man schrieb den 9.Juni. In der Gaststätte "Zum Busecker Tal" in der Bahnhofstraße, die unter der Leitung von Ludwig Gans stand, versammelten sich einige fußballbegeisterte junge Männer. Ihr Anliegen: Sie wollten einen neuen Verein ins Leben rufen. Und das taten sie an diesem Abend auch. Der Name des neuen Vereins: FC 1926. Als Vereinsfarben wurden "schwarz" und "gelb" gewählt. Gleichzeitig wurde beschlossen, dem Westdeutschen Spielverband beizutreten.  Denn man muss wissen, dass in Großen-Buseck auch schon vor jenem denkwürdigen Da­tum Fußball gespielt wurde. Und es gab dafür sogar einen "Verein für Bewegungsspiele". Doch dieser Club gehörte keinem Verband an, die Spieler hatten nicht einmal Trikots oder Fußballschuhe, sondern spielten sozusagen "wild" in den buntesten Farben und mal hier und mal dort. Aber wir dürfen davon ausgehen, dass schon damals die Begeisterung der jungen Akteure groß war. 

Dem FC 1926 gehörten 29 Gründer an. Kurz danach traten weitere 25 Männer dem Verein bei. Erster Vorsitzender des FC 1926 war Karl Mandler. Als Sportplatz stellte die Gemeinde ein Gelände am Pfingstweg zur Verfügung, das in freiwilliger Arbeit zu einem einigermaßen spielfähigen Sportfeld hergerichtet wurde. 

Bereits in der ersten Verbandsrunde 1926/27 erkämpfte sich die erste Mannschaft den Meistertitel in der B-Klasse und stieg zur A-Klasse auf. Durch den Zugang an aktiven Spielern und passiven Mitgliedern konnten bereits 1927 zwei aktive und je eine Jugend- und Schülermannschaft gemeldet werden. Der vorbildliche Einsatz aller Mannschaften und ihr Können trugen den Namen des Vereins über den Kreis Gießen hinaus in die Kreise Wetzlar, Friedberg, Dillenburg  Marburg und Alsfeld. 

Für den Vorstand war es Ende der 20er Jahre keine leichte Aufgabe, den Verein durch alle Hindernisse und Wirren hindurchzusteuern. Die große Arbeitslosigkeit verlangte von jedem Einzelnen finanzielle Opfer. Die gesamte Sportkleidung musste sich jeder Spieler auf eigene Kosten beschaffen, und auch die Fahrtkosten zu den Auswärtsspielen hatte jeder Akteur selber zu tragen. Der Lohn für hohe kameradschaftliche Verbundenheit blieb nicht aus. Im Jahre 1929/30 rückte der Verein zur 2. Bezirksliga auf und spielte später - nach dem Wegfall der 2. Bezirksliga - bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in der A-Klasse. 

1931 hielt der Verein seine 5-jährige Gründungsfeier und veranstaltete dazu ein Blitzturnier, also mit Spielzeiten von zweimal zehn Minuten. 1936 wurde las zehnjehrige Bestehen festlich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. Höhepunkt des Festes war die Enthüllung der Vereinsfahne. Bis zu liesem Zeitpunkt hatte der Verein an sechs großen Pokalkämpfen teilgenommen und dabei vier erste und zwei zweite Preise errungen. Aber auch die Jugend- und Schülermannschaft waren erfolgreich und konnten mehrere Male einen Gruppensieg erringen. 

1936 erfolgte auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Rebholz, der ein eifriger Förderer des Sports war, die Schaffung eines neuen Sportplatzes an der Rödgener Straße, der in zweijähriger freiwilliger Gemeinschaftsarbeit fertiggestellt wurde. Im Jahre 1938 fand eine Verschmelzung der beiden Großen-Busecker Vereine statt: Die des TV 1899 und des FC 1926 zur Sportgemeinde 38. Die Vereinsführung oblag bis zum Ausbruch des Krieges August Schwalb.

Der Zweite Weltkrieg bedingte eine erhebliche Einschränkung des Sportbetriebes, und 1943 musste er ganz eingestellt werden. Fast die gesamte Vereinsführung und alle aktiven Mitglieder waren einberufen worden. Trotzdem konnte im Jahre 1940 die Fußballabteilung noch den Sieg in der 1. Kreisklasse erringen und belegte in der folgenden Kreisgemeinschaftsrunde des Kreises Gießen, an der auch Vereine wie der VfB Gießen mit ihren ersten Mannschaften beteiligt waren, den zweiten Platz.

Als der Krieg zu Ende war, wurde der Sportbetrieb nach einiger Zeit unter dem Namen Sportgemeinde 1945 wieder aufgenommen. Nur ein kleines Häuflein Fußballer war übrig geblieben und musste wieder ganz von vorne anfangen. An dem Wiederzustandekommen einer Fußballabteilung hatte vor allem Heinrich Harbach den größten Anteil, heißt es in der Jubiläumsschrift 1951. Im Jahre 1948 trennten sich die in der Sportgemeinde zusammengeschlossen früheren Vereine TV 1899 und FC 1926: Die Meinungsverschiedenheiten waren zu groß geworden. 

Erster Vorsitzender des selbstständigen FC 1926 wurde Heinrich Merz. Als Vereinslokal wurde die Gaststätte Schützenhaus am Sportplatz bestimmt. Seitdem nahm der Verein wieder eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung. Vier Mannschaften - zwei aktive und zwei der Jugend - standen ständig im Spielbetrieb. Herausragende sportliche Ereignisse in diesen Jahren waren zwei Gastspiele der Reserve des 1. FC Nürnberg in Großen-Buseck. Die Spiele gingen für den FC 1926 zwar mit 1:9 und 1:7 verloren. Doch die Kulisse von 4000 bzw. 3000 Zuschauern war ein tolles Erlebnis nicht nur für die Spieler im schwarz-gelben Trikot.

Als Auftakt zum 25-jährigen Bestehen 1951 fand an Pfingsten ein Spiel der 1.Mannschaft gegen Wiesbaden-Biebrich statt, das 2:3 verloren ging. Dem war am 13.Juni ein Abendspiel gegen den VfB Gießen vorausgegangen, das die FC- Elf nach einem großartigen Spiel mit 5:4 gewann. Noch Jahre später wurde von dieser Begegnung geschwärmt. Das eigentliche Jubiläumsspiel wurde gegen die Reserve der Spielvereinigung Fürth ausgetragen und vor 2500 Zuschauern mit 2:7 verloren.

1953 erstellte der Verein in eigener Regie und in freiwilliger Arbeitsleistung der Mitglieder eine behelfsmäßige Flutlichtanlage, die im Laufe der Jahre in Eigenhilfe weiter ausgebaut und verbessert wurde. Ein langgehegter Wunsch ging 1957 in Erfüllung: Am Sportplatz wurde ein Sportheim mit Umkleidekabinen und Duschanlagen eingeweiht.

1956 hatte der FC Großen-Buseck erstmals eine Begegnung mit Sportlern aus Ost-Deutschland. Die Spieler der BSG Lokomotive Arnstadt/Thüringen siegten 1:0. Wichtiger aber als das Spiel selbst erschien den FC-Verantwortlichen die Pflege der menschlichen Beziehungen im damals zweigeteilten Deutschland. In den folgen Jahren wurden weitere Spiele ausgetragen und nach der Grenzöffnung 1989 die Kontakte noch einmal aufgefrischt. 

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Am 1. März 1963 verstarb der FC-Ehrenvorsitzende Ludwig Brück. Er hat sich um den FC Großen-Buseck besonders verdient gemacht, vor allem in den Jahren 1928-1938, in denen er als 1. Vorsitzender tätig war. Sein Leben war geprägt von der Verantwortung und Fürsorge für seinen Verein.

Im Herbst 1967 wurde die Trainings-Lichtanlage auf Kosten des Vereins und unter freiwilliger Mithilfe von Vereinsmitgliedern nochmals erweitert. Im Herbst des gleichen Jahres errang die 1. Mannschaft den Kreis-Pokal gegen den TSV Grünberg, der damals zwei Klassen höher in der Gruppenliga spielte. Das erste Spiel auf Bezirksebene wurde in Zell mit 3:0 gewonnen. Dann verlor das FC-Team auf eigenem Gelände gegen den höherklassigen SV Hermannstein nach einem spannenden Spiel mit 2:4. Auch 1969 wurde die 1. Mannschaft Kreispokalsieger: mit einem 3:1-Erfolg über Ettingshausen.

Ein herber Verlust für den Verein war der plötzliche Tod des langjährigen Vorsitzenden Erich Neeb am 11.Juni 1970.

Nach dem zwischenzeitlichen Abstieg in die B-Klasse schaffte die 1. Mannschaft 1973 unter Trainer Ewald Kociok wieder den Aufstieg in die A-Klasse. 1975 wäre fast der Aufstieg in die Bezirksliga geglückt, doch das entscheidende Spiel zu Hause gegen die TSG Reiskirchen wurde verloren. Es war im übrigen das erste Meisterschaftsspiel, das auf dem neu hergestellten Rasenplatz ausgetragen wurde. Das Eröffnungsspiel für den neuen Rasen und die neue Flutlichtanlage war bereits ein Jahr zuvor ausgetragen worden: gegen den hessischen Amateurligisten 5V Wiesbaden. Das Spiel wurde mit 1:10 verloren. Doch kurz danach musste der Spielbetrieb auf der neuen Anlage wieder eingestellt werden: Die Drainage war unzureichend. So kam das Wiesenstadion hinter der katholischen Kirche zu Ehren. Aber in spielerischer und finanzieller Hinsicht war der erneut erzwungene Umzug ein herber Rückschlag. Doch auch die neu verlegte Drainage erfüllte in den folgenden Jahren die Erwartungen nicht in voller Höhe.

Vereinsvorsitzender war seinerzeit Otto Neeb. Sehr vermisst bei den Vorbereitungen zum Jubiläum 1976 wurden die in den Jahren zuvor verstorbenen langjährigen FC-Mitstreiter: Der Ehrenvorsitzende Heinrich Harbach II., Hermann Eisenacher, Hans During, Heinrich Pfeiffer und Willi Harbach. Sie alle hatten sich um den Verein sehr verdient gemacht. Das Jubiläumsspiel trug die Mannschaft gegen den Hessenligisten SSV Dillenburg aus - und verlor mit 0:4. Im Rahmen des Jubiläums wurde auch ein Spiel gegen die Bundeswehrauswahl, damals Militär-Weltmeister, ausgetragen. 

Als ob das Vereinsjubiläum beflügelt hätte: Die 1. Mannschaft im schwarz-gelben Trikot setzte in der A-Klasse zu einem Höhenflug an, den keiner von ihr erwartet hatte. Maßgeblichen Anteil daran hatte aber auch Trainer Ewald Kociok der zum wiederholten Male beim FC 1926 das Zepter schwang - mit viel Erfolg. Mit großem Vorsprung sicherte sich die Mannschaft des FC 1926 Großen-Buseck 1977 den Meistertitel und stieg zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bezirksliga (heute Bezirksoberliga) auf. Fast nebenbei sicherte sich die Elf auch den Landratspokal durch einen überzeugenden 4:0-Sieg in Grünberg über den favorisierten Bezirksligisten Teutonia Watzenborn-Steinberg. Einen schönen Erfolg feierte 1978 die Reserve des FC 1926: Sie wurde im neu Jahr der Bezirksliga-Zugehörigkeit gleich Meister der Reserve-Teams. 

Aber nicht nur sportlich wurde einiges bewegt, auch am Sportfeld selber tat sich etwas. Der FC Großen-Buseck beschaffte sich ein Vereinsheim, das in erster Linie den Spielersitzungen, sonstigen Zusammenkünfte und Feierlichkeiten diente.

In den 80er Jahren wurden den Fans des FC 1926 zwei Fußball-Leckerbissen serviert. 1981 gastierte der Zweitligist SV Wattenscheid 09 in Großen-Buseck und gewann gegen eine verstärkte FC-Elf vor 700 Zuschauern erst gegen Ende mit 5:3. Fünf Jahre später -1986 -  gab das Top-Team von Borussia Mönchengladbach auf Initiative von Erhard Ulrich (Mr. Hair) in Großen-Buseck seine Visitenkarte ab. 2500 Zuschauer strömten auf das FC-Gelände, um Trainer Jupp Heynckes und seine Fohlen zu sehen. Sie bekamen etwas geboten. Gegen eine Kreisauswahl mit etlichen Akteuren des FC 1926 trafen die Gladbacher elf Mal ins Schwarze. Die Schwarz-Gelben gingen leider leer aus, aber die Begegnung als solche war ein unvergessliches Erlebnis.

Die Spielklasse wurde dennoch gehalten und 1996 unter Trainer Udo Wehnes ziemlich überraschend sogar der Aufstieg in dieBezirksoberliga geschafft - dank eines zweiten Platzes hinter dem VfB 1900 Gießen . Doch das erste Jahr Bezirksoberliga überstanden die Schwarz-Gelben nicht und stiegen wieder in die Bezirksliga ab. Als schließlich zum Jahreswechsel 1997/98 Udo Schlosser als Trainer in Großen-Buseck die sportliche Leitung übernahm, ging es sportlich erneut aufwärts. 1999 wurde die Meisterschaft in der Bezirksliga Gießen/Alsfeld gefeiert (dank eines entscheidenden Tores von Sven Harbach) und diese Spielklasse auch im Jahr drauf gewahrt. Auch die Reserve des FC 1926, die mit dem langjährigen Aktiven Manfred Eichhöfer über einen eigenen Trainer verfügte, feierte einen großartigen Erfolg. Das Team wurde im Jahr 2000 Meister der B-Klasse und stieg in die A-Liga auf.

Auch über den sportlichen Rahmen hinaus tat sich beim FC Großen-Buseck im letzten Jahrzehnt des alten Jahrhunderts einiges. So wurde 1998 eine Frauen-Mannschaft gegründet. Ein absolutes Novum in diesem bislang reinen Männer-Club (bis auf die vielen fleißigen Helferinnen hinter den Kulissen und die Anhängerinnen am Spielfeldrand. Darüber hinaus wurde ein Sportplatz-Projekt in Angriff genommen - und 1994 durch einen Bürgerentscheid erst einmal vereitelt. Doch die Verantwortlichen des FC 1926 ließen sich nicht entmutigen: 

Im Oktober 1999 wurde schließlich der erste Spatenstich für ein neues, zeitgemäßes Vereinsheim vollzogen: Am neuen Standort hinter der Katholischen Kirche. Und ein halbes Jahr darauf wurde mit dem Bau eines komplett neuen Sportplatzes begonnen und das Wiesenstadion als Trainingsfeld neu hergerichtet. Nun, im Jubiläumsjahr glänzt das neue Spielfeld in einem satten Grün und auf dem Dach des stattlichen Vereinsheimes ist der Name FC 1926 zu sehen. 

In diesem Rückblick ist versucht worden, Höhen und Tiefen des Vereins seit 1926 aufzuzeichnen. Man möge es dem Verfasser nachsehen, wenn gravierende Ereignisse vielleicht nicht genannt sind. Eines kann aber festgestellt werden: Sportlichkeit und Fairness haben den FC Großen-Buseck zu einem guten Ruf weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus verholfen. Nicht zuletzt aber haben die Spieler der früheren Jahre und die, die heute das schwarzgelbe Trikot unseres Vereins tragen (manche in Hunderten von Spielen) hierzu beigetragen.

Gestern wie heute ist der FC 1926 Großen-Buseck bestrebt, allen, die am Fußballsport interessiert sind, ein Höchstmaß an sportlicher Betätigung zur Erhaltung und Förderung ihrer Gesundheit zu bieten. Hierzu stehen dem Verein unter der Leitung von tüchtigen Betreuern und Mitarbeitern, der neue Sportplatz, die Sporthallen in Buseck und nicht zuletzt der Platz in Beuern zur Verfügung. 


 

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